Sonntag, 21. Dezember 2014

Doch noch nicht ganz angekommen?

Ich bilde mir ein, dass ich meine Aufgabe, mein Leben im Rollstuhl zu gestallten, schon gut akzeptiert habe. Ich hatte auch Glück! Ich habe in meinem Krankenhaus auf einer tollen Station gelegen und immer die richtigen Leute mit im Zimmer gehabt. Frischverletzte wie ich und alte Hasen! Wenn es mir mal nicht gut ging, wurde ich wieder  aufgebaut oder eine Pflegerin oder ein Pfleger haben einen coolen Spruch los gelassen, das die Linde wackelt.
Hmm, die haben bei mir immer den richtigen Ton getroffen. Auch die Ärztin war toll. Sie hat sich viel Zeit genommen, wenn ich mal eine Frage hatte. Auch ihr Ton war eher der einer Freundin, als der einer Ärztin. Ich mag sie sehr! Und es hat mich im "richtigen" Alter getroffen. Jung genug, um mich auf die neue Situation einstellen und doch schon jede Menge erlebt! Ich weiß, was ich will und kann mich auf den Weg machen, genau das zu tun. Ob als Fußgänger und im Rollstuhl ist mir egal. Ich mache die Dinge, die ich machen will. Wenn es mal Grenzen gibt, okay, dann eben nicht. Aber bis jetzt bin ich kaum auf Hindernisse gestoßen, die mich aufhalten konnten.
Ich glaube auch, dass mir dabei mein Beruf sehr geholfen hat. Ich bin berufbedingt Lösungsorientiert und suche nicht  nach Problemen. Das hilft. Also wenn der Fahrstuhl im HBF kaput ist, fahre ich eben bis Jungfernstieg, um dann mit der Gegenbahn zum HBF zurück zu fahren. Meist geht der Fahrstuhl auf dem anderen Gleis. Ich lerne Treppen und Rolltreppe fahren, weil ich nicht auf Fahrstühle angewiesen sein will. Dafür bekomme ich von verschiedenen Seiten immer wieder Anerkennung. Mich freut das natürlich! Nur in Behindertentoiletten suche ich immer noch nach einem Urinal...
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Donnerstag, 18. Dezember 2014

Angefasst

Oh Mann, die Leute im Weihnachstgeschäft sind ja mal wieder cool drauf.
Ich habe bei meinen Mitbloggerinnen mit Querschnittshintergrund schon viel über übergriffige Mitmenschen gelesen, aber selbst habe ich bisher kaum "komische" Erfahrungen gemacht.
Jetzt im Weihnachtsgeschäft ist mir allerdings auch etwas passiert.
Ich bin mit der S-Bahn in die Stadt gefahren, weil ich für meinen Fotoapparat ein neues Objektiv kaufen wollte. In meinem Elektronikfachmarkt in Poppenbüttel hat man mir zwar mit toller Beratung helfen, aber leider konnte der Berater mir nichts verkaufen. Er! gab mir den Tipp in der Innenstadt bei einem Marktbegleiter zu schauen. Die hätten eine prima Abteilung und würden sicher das von ihm bevorzugte Teil im Angebot haben. Ich hatte nur einen kurzen Weg vom Bahnhof und es gab trotz der Hektik wieder nette Menschen die die schweren Glastüren, die zwar auch allein auf bekomme, aufgehalten haben. Im Laden war es ähnlich wuhlig wie draußen auf den Gehwegen. Ich musste ziemlich aufpassen, auf dem Weg zum Fahrstuhl niemanden anzufahren. Ich betätigte den Rufknopf. Der Fahrstuhl kam aus dem Untergeschoss und es waren schon mehrere Fußgänger in dem Fahrstuhl. Als sie mich sahen, rücken sie zusammen. Ich konnte in den Fahrstuhl fahren. Ich blieb direkt an der Tür stehen um nicht zu dicht auf die anderen aufzufahren. Bis dahin alles normal. Plötzlich packte mich ein junger kräftiger Mann an den Schultern und zog mich wortlos weiter in den Fahrstuhl hinein. Er hatte wohl Angst, das ich in der Tür stehe und diese deshalb nicht schloss. Mann o Mann, ich war so geschockt, dass ich nichts sagen konnte. Passiert mir auch nicht so oft! Ach, das Objektiv habe ich auch nicht bekommen.


Freitag, 12. Dezember 2014

Behindertenparkplatz in der neuen Fuhle

Hallo Hamburg, ich glaube ja, ihr hab im Keller mehrere Klumpen Gold gefunden. Überall in der Stadt wird gebaut und ich bin da ja auch schon mal drauf ein gegangen. Ob man die Idee Fahrradwege auf die Straße zu verlegen nun eine gute Idee ist, wird sich zeigen. Ich bin erst mal nicht dagegen, aber das ist gar nicht mein Thema. Ich wollte mal über Behindertenparkplätze reden. Eigentlich nur über einen. Ich finde ja, die Fuhle ist ganz gut geworden. Überall gibt es auch Behindertenparkplätze, Dafür schon mal einen Daumen hoch! Aber so Höhe Hausnummer 400 gegen über diesem blauen Drogeriemarkt. Leute - Leute!  Ich fuhr auf der Fuhle und wollte noch etwas in einem Drogeriemarkt kaufen. Ich war also ziemlich happy als genau gegenüber ein Behindertenparkplatz vorhanden und frei war. Ich parkte ein lud meinen Rollstuhl aus, setzte mich rein. Aber wie nun auf den Bürgersteig kommen? Ey, wo ist denn bitte eine Bordsteinabsenkung? Grrr, ich habe es versucht, aber ich kam den Bordstein nicht hoch! Okay, Rolli wieder einladen und nach Hause.

Mittwoch, 12. November 2014

Hamburg - Intelligente Straßenabsperrungen

Ich muss dringend ein paar Teile einkaufen. Das Wetter ist gut! Ich fahre das kleine Stück mit dem Rolli auch wenn es ziemlich bergauf geht. Ist aber gut für die Munckies in den Armen. Da in ganz Hamburg gebaut wird, als wenn wir schon Olympiastadt wären, ist auch bei uns in der Ecke ordentlich Aktivität. Meine Fahrt endete an einer Straßeneinmündung. Nicht etwa weil der Verkehr so stark war, sondern weil ich ein Foto von dieser Geistigen Glanzleistung machen musste. Ich stand vor einer Absperrbarke. Zum Glück konnte mit der Absperrung die Bürgersteigabsenkung gerade noch dichtgemacht werden. *Kopf schüttel*.
Puh, gerade noch geschafft die Absenkung abzusperren!
Ich musste ein ganzes Stück in die Straße hinein fahren, um dann die Straße zu queren. Klar, das Ende natürlich auch wieder zurück! Egal, ist gut für die Figur!


Freitag, 26. September 2014

Fussballwochenende!

Ich bin das erste Mal dabei!
Behindi-Messe in der Stadt, dessen Name ich meinen Kölner Freunden nicht nennen darf.
Boah, ganz schön groß, aber ich habe einen Plan!
Ich fahre mit meinem Rolli also in Halle... , Mist hab ich vergessen welche, egal.
Hier sind auf jeden Fall viele coole Sachen zu sehen. Unter anderem sind auch Verbände, Selbsthilfegruppen und Stiftungen vertreten.
Da ich auch einen "Dachschaden" habe, halte ich bei einer entsprechenden Institution an, um Informationen abzugreifen.
Eine freundliche ältere Dame kam auf mich zu. Ihr mütterlich mitleidiger Blick ließ in mir eine gewisse Ahnung hochkommen. Sie nahm mich in Ihre Obhut und berichtete über das Angebot Ihrer Stiftung.
Dann kam es!
Sie drücke mir einen Flyer in die Hand auf der die Aktivitäten des nächsten Jahres aufgelistet waren. Besonders hob Sie ein Fußballwochenende für junge Menschen hervor.
Ich bedankte mich für Ihr Engagement und fuhr weg.
Ob sie es noch gemerkt hat? Fußballwochenende....

Montag, 8. September 2014

Flugreise buchen

Nachdem letztes Jahr der Urlaub wegen einer gewissen Kleinigkeit *hust* ausgefallen war,
wollten wir es dieses Jahr nochmal versuchen.
Es soll, wie letztes Jahr, eine Flugreise nach Mallorca sein, damit ich den Punkt "Flugreise" auf meiner Behindi-ToDo-Liste abhaken kann. Ein Mitpatient hatte mir schon viel erzählt. Klang alles machbar und so begaben wir uns in die Tiefen des Welt-Weiten-geWebe, um ein geeignetes Hotel in der Sonne zu finden. War gar nicht so schlimm. Diese Urlaub-Buchungs-Plattformen bieten da sogar Filter für barrierefrei Hotels. Vorm buchen mußte ich allerdings schnell dort anrufen. Es gab zwar einen Filter für die Suche, aber fürs buchen selbst, gab es die Option dann wieder nicht. Webentwickler sind die Besten der besten, Sir. Als Antwort bekam ich zu hören, dass ich selbst das Hotel kontaktieren muss. Okay, Email schreiben kann ich. Es gab ein barrierefreies Zimmer im gewünschten Zeitraum und so buchten wir das Hotel und den Flug. Best!
Dann ging es allerdings erst richtig los. Überlegen, was alles mit muss und wie das ganze mitbekommen. Ich habe das auf der Webseite der Fluglinie die Nummer für Sonderdienste gefunden.
Hier wurde ich dann gut beraten. Ich muss meinen Rollstuhl und mein benötigtes Sondergepäck anmelden. Dafür gab es wieder eine Spezialnummer. Ich habe dann dort angerufen und meinem Aktiv-Rollstuhl plus die Dinge, von denen ich dachte, dass ich sie brauchen werde, angemeldet.
Die Frage ob ich einen E-Rollstuhl hätte verneinte ich. Ein echter Fehler! Ich hatte nicht an meine eRäder gedacht. Am nächsten Tag erhielt ich die Bestätigung für den Rollstuhl und das Sondergepäck per Email . Da ich auch vorhatte meine eRäder mitzunehmen und ich nun dachte ich müsste diese zusätzlich melden, da diese ja Akkus und Motoren enthalten. Also schickte ich eine Antwortmail auf die Bestätigung mit der Erläuterung, dass ich meine eRäder auch mit nehmen möchte. Als Antwort bekam ich dann eine Mail mit der Aufforderung eine Unbedenklichkeitsbescheinigungen einzureichen. Diese habe ich vom Hersteller erhalten und direkt an die Airline geschickt. So erwartete ich dann eine neue Bestätigung. Nachdem ich mehrere Tage gewartet hatte, rief ich bei der Fluglinie an. Man bestätigte mir den Eingang meiner Mail und betonte, ich solle noch etwas Geduld haben, es wäre gerade viel los, aber die Bestätigung würde heute noch rausgehen. Da der Flug in drei Tagen gehen sollte, wurde ich leicht nervös. Um es kurz zu machen. Ich habe bis zum Tag vorm Abflug jeden Tag angerufen, jedes mal die selbe Antwort: „Geht gleich raus!“
Ich bin dann am Abflugtag ohne Bestätigung los geflogen!

Mittwoch, 23. Juli 2014

Man ist erst tot, wenn man tot ist...

Heute musste ich so lachen. Ich kam mit der S-Bahn aus Richtung Dammtor und wollte am Hauptbahnhof aussteigen. In Dammtor habe ich einen der älteren Züge erwischt. Die haben eine sehr hohe Einstiegskante. Rein komme ich die diese Züge nur mit Hilfe. Aber es gibt ja Rampen.
Das Aussteigen geht dann wieder allein.
Der Zug lief im Hauptbahnhof ein. Ich wartete wie immer bis alle ausgestiegen waren, und sprang dann die erwähnte hohe Kante herunter. Kaum bin ich gelandet, kommt ein etwa 25 Jahre alter, etwas abgerissen aussehender Typ fett grinsend auf mich zu und haut mir ein "Alter, geiler Move" um die Ohren. Dem folgte ein High-Five. Ich meinte zu Ihm, dass ich ja nur aus gestiegen sei und das für mich total normal wäre. Ich musste anschließend zum Abschied meine Faust an seine legen. Im Weggehen drehte er sich noch mal um und rief mir zu "Alter, man ist erst tot, wenn am tot ist". Er hatte wohl den totalen Erkenntnisflash. Zwei Jungs die auf einer Bank am Gleis saßen, haben sich über die Aktion ziemlich beömmelt. Von denen gabs ein "Daumen hoch" oder sagt man heute "I Like"?